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Volkertgrätzl

Aus “Leopoldstadt” von Christine Klusacek und Kurt Stimmer. Verlag Kurt Mohl.

Wappen zweiter Bezirk
Insel im Strom:

Jahrhunderte hindurch wurde die Entwicklung der heutigen Leopoldstadt entscheidend von der Donau geprägt. Auch heute noch ist die Donau ein wesentlicher Faktor für den Bezirk, denn die Leopoldstadt liegt nicht etwa an der Donau, sondern sie ist eine Insel im Strom.

Die Ortsbezeichnung Leopoldstadt gibt es erst seit 1671. Bis dahin hieß die Gegend des heutigen 2. Bezirkes “Unterer Werd”- und Werd ist ein altes Word für Insel (althochdeutsch warid, mittelhochdeutsch werd, wert, werder).

Heute bildet die Leopoldstadt und die Brigittenau zusammen eine Insel zwischen Donau und Donaukanal. Das ist jedoch erst seit der großen Donauregulierung der Jahre 1870-1875 so. Bis dahin gab es zahlreiche Donauarme, Teiche, Tümpel, Sümpfe, die sich im Laufe der Zeit ständig veränderten. In den letzten tausend Jahren gab es in keinem anderen Teil Wiens so viele geographische Veränderungen wie in der heutigen Leopoldstadt. Die Donau war die Ursache dieser Veränderungen, sie bestimmte entscheidend die Besiedelung, die Bodennutzung und die wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes. Jahrhunderte hindurch verhinderte sie das Entstehen von Ansiedlungen.

Volkertplatz und -straße:

Im weiten Umkreis gehörte das Gebiet im 18. Jahrhundert den Grafen Volckhra, verballhornt Volkert. Am Tabor 22 besaßen sie ein Palais. Der prachtvolle Bau war von einem englischen Garten umgeben. Er war später im Besitz der Familie Trautmannsdorff, wurde 1830 ein Knabenerziehungsheim, 1864 eine Metallwarenfabrik und 1903 demoliert. die ganze Gegend hieß noch im vorigen Jahrhundert nach den einstigen Besitzern “Im Volkert” (oder “Im Völkert”).

Volkertmarkt:

Um die Leopoldstadt attraktiver und die Häuser der Judenstadt leichter verkäuflich zu machen, gab der Kaiser auf Ersuchen der Stadt Wien der jungen Vorstadt am 15.10.1671 ein Marktprivilegium. Am 13. Juli war fortan Jahrmarkt, an jedem Mittwoch ein Wochenmarkt, bei dem auch Pferde und als auch Groß- und Kleinvieh gehandelt werden durfte, am 11. November ein Geschirrmarkt (Häfenmarkt). Der Volkertmarkt wurde 1878 anstelle alter Gemüsegärten von einigen Gewerbetreibenden illegal gegründet, nachträglich von der Gemeinde Wien genehmigt.

Am Tabor:

Tabor nannten die Hussiten die von ihnen entwickelten sternförmigen Befestigungsanlagen. Nach diesem Beispiel wurde hier eine Befestigungsanlage errichtet und Tabor genannt.

Alliiertenstraße:

Hier befand sich die alte Taborbrücke, an der 1814 Kaiser Franz I. den russischen Zaren und den preußischen König empfing, seine Alliierten im Krieg gegen Napoleon, die zum Wiener Kongreß kamen. (Bis 1909 Prager Reichsstraße).

Castellezgasse:

Dr. Anton Castellez, 1765-1825, ab 1803 Professor an der Josephsakademie (Ausbildungsstätte für Militärärzte) und zugleich Arzt in der Leopoldstadt, wo er armen Leuten notfalls auch ohne Bezahlung half und deshalb als Volksarzt sehr beliebt war.

Darwingasse:

Charles Robert Darwin, 1809-1882, englischer Naturforscher, begründete die Erkenntnis, daß sich aus niedrigem immer höheres Leben bis zum Menschen entwickelt (Darwinismus).

Heinestraße:

Heinrich Heine, 1797-1856, Dichter u.a. “Buch der Lieder”, “Deutschland, ein Wintermärchen”, “Atta Troll”, von vielen als bedeutendster Lyriker eingeschätzt. (Ursprünglich Augartenallee, ab etwa 1850 Schawelallee nach dem Rennstallbesitzer Josef Schawel, der 1840 Ecke Taborstraße-Heinestraße ein Wohnhaus erbauen ließ, 1974-1919 Kaiser Joseph-Straße.)

Nordbahnstraße:

Nach dem 1838 erbauten Nordbahnhof. (Bis 1862 Forstmeisterallee nach dem k.k.Forsthaus, das dort stand).

Nortwestbahnstraße:

Nach dem 1873 eröffneten Nordwestbahnhof.

Pazmanitengasse:

Petrus Pazmany, 1570-1637, Kardinal und Erzbischof von Gran (Ungarn), gegründete hier 1618 das Pazmaneum zur Heranbildung ungarischer Priester.

Praterstern:

Von diesem Platz aus verlaufen sternförmig sieben Straßen.

Rueppgasse:

Anton Ruepp, 1792-1868, Gemeindevorsteher der Leopoldstadt 1850-1862, wohnte Obere Augartenstraße 26-28, gründete eine Kleinkinderbewahranstalt und hinterließ einen großen Teil seines Vermögens der Gemeinde Wien für wohltätige Zwecke.

Springergasse:

Daniel Lazarus Springer, 1614-1687, Bürgermeister von Wien 1670-1673 und 1679. In seiner Amtszeit erwarb die Gemeinde Wien die Judenstadt.

Taborstraße:

Älteste Straße der Leopoldstadt, schon im 14. Jahrhundert als Kremser Straße, im 17. Jahrhundert Hauptstraße, seit etwa 1770 Taborstraße nach der Befestigungsanlage an ihrem Ende. Die sternförmigen Befestigungsanlagen wurden erstmals von den Hussiten in Böhmen gebaut und Tabor genannt.

Trunnerstraße:

Wunnibald Trunner, 1829-1885, Prior der Barmherzigen Brüder. In seiner Amtszeit wurde das jetzige Spital erbaut.